Die Geschichte des Ringkampfsports

Der Ringkampfsport ist zweifellos einer der ältesten Arten der Leibesübungen,
denn die Beherrschung einiger Griffe und Kniffe gehörte schon zu Urzeiten als Waffe im Kampf ums Dasein zu den Lebensgewohnheiten. Heute wird der Ringkampf bei allen gesunden Menschen in verschiedenen Abstufungen ausgeübt. Sei es harmloses Balgen oder ernstes Raufen. Besonders die Jugend wetteifert zu allen Zeiten, um aus ihren Reihen den Stärksten zu ermitteln.

Die ältesten uns bekannten Spuren von Ringkämpfen reichen fast 4000 Jahre bis in die Zeit des alten Ägyptens zurück. In den Fürstengräbern von Beni Hassan fand man fast 400 gut erhaltene Wandzeichnungen. Im modernen Ringkampf finden noch heute Griffe und Würfe Anwendung, die auf den Zeichnungen zu sehen sind. Die dargestellten Griffe entsprechen zum Teil denen, die wir bei amerikanischen Freistilringern sehen. Der Gegner galt als besiegt, wenn er sich in einer wehrlosen Lage befand. Wie auf anderen Gebieten werden die Ägypter die Lehrmeister der Griechen gewesen sein. Jedenfalls besaß der Ringkampf im alten Hellas eine überragende Bedeutung. Das Ringen bildet nicht nur die Grundschule der Leibesertüchtigung, sondern war bei den Olympischen Spielen die Hauptübung des Fünfkampfes. Als die Blütezeit der griechischen Kultur vorüber war, entartet das Ringen und nahm immer brutaere Formen an.
Die Römer legten den Gladiatoren metallbeschlagene Bandagen an und ließen die Ringer in überfüllten Arenen auf Leben und Tod kämpfen. Dadurch verlor der Ringkampf mehr und mehr an Ansehen und versank nach dem Untergang des römischen Weltreiches in die Bedeutungslosigkeit. Erst im Mittelalter wurde das Ringen in Verbindung mit Fechten hoffähig.
Nach den Rittern bekam das einfache Volk Interesse an dieser Art, seine Kraft zu messen und der Ringkampf erfuhr eine große Verbreitung und war auf Jahrmärkten ein Publikumsmagnet.

Ein weiteres Kapitel des Ringkampfsports wurde zur Zeit der Befreiungskriege aufgeschlagen. Männer wie Duths, Vieth und der uns allen bekannte Turnvater Jahn forderten zur körperlichen Erziehung der Jugend auf. Ringen , Gewichtheben, Tauziehen und Turnen wurden die Eckpfeiler dieser Ertüchtigungswelle. Turnen setzte sich als Volkssport zu jener Zeit durch und Ringen wurde von einigen Athleten berufsmäßig ausgeübt. Einer dieser Berufsringer war der Deutsche Karl Abs aus Hamburg, der um 1870 seine Glanzzeit hatte. Er hatte dank seiner außergewöhnlichen Körperkraft alle namhaften Ringer der Welt besiegt und brach durch sein Auftreten und seine Popularität eine Lanze für den Ringkampfsport. Mit Karl Abs als Vorbild brach in Deutschland das große „Ringerfieber“ aus. Vereine gründeten sich und Verbände wurden gebildet. So hatten wir zu Beginn des 1. Weltkriegs bereits 31 Verbände, die sich nach und nach im Deutschen Athletik – Sportverband organisierten. 1982 löste sich der Schwerathletenverband auf. Als Nachfolgeinstitution fungierte der Ringerverband NRW, Mitglied im Deutschen Ringerbund.

Ursprünglich wurde nur die griechisch – römische Kampfart gepflegt und erst im Zuge der Zeit der Modernisierung kam auch das Freistilringen hinzu. Heute kann man beide Kampfarten in hoher Blüte auf der Matte sehen. Nachdem die Verbände ein Regelwerk erstellt hatten, wurde und werden diese Regeln dem Zeitgeist angepasst und geändert. Ein Aspekt dieser Änderung ist auch, das Kampfgeschehen aktiver und für die Zuschauer interessanter zu gestalten. Das galt und gilt besonders für die Kampfzeiten. Wurde zu Anfang noch bis zum endgültigen Sieg gerungen, wurde nach und nach die Kampfzeit gekürzt, die Punktewertung wurde eingeführt und um die Chancengleichheit zu wahren, wurden Gewichts- und Altersklassen eingeführt und angeglichen. Die heutige Kampfregel fordert vom Ringer ein ständiges Angreifen, passive Kampfweise kann zu Verwarnung oder Disqualifikation führen.

Ringen ist eine Folge von Griffen und Zügen, bei dem jeder der beiden Aktiven versucht, Wertungspunkte für seine Aktionen zu bekommen. Gerungen wird in zwei Runden und gewonnen hat nach dieser Zeit der Aktive mit den meisten Punkten. Ein vorzeitiger Sieg ist möglich, wenn der Gegner mit beiden Schulterblättern auf der Matte liegt. Beim freien Stil ist der Beinbereich in den Aktionen mit einbezogen, dagegen ist beim griechisch – römischen Stil die Gürtellinie die Grenze. Verboten ist Schlagen, Treten, Kratzen, Kneifen, an den Haaren ziehen und sonstige unfaire Aktionen. In den sechziger und siebziger Jahren war in unseren Breiten Wilfried Dietrich der wohl bekannteste und national sowie international der erfolgreichste Ringer.

 

In den letzten Jahren erfuhr der Ringkampfsport eine erfreuliche Bereicherung. Mädchen und Frauen entdeckten diese Sportart für sich und haben sich etabliert. So wie Kampfrichterinnen zum alltäglichen Bild beim Ringen gehören, haben auch die weiblichen Aktiven die Matte erobert. Ab 2004 ist Mädchen / Frauenringen eine Olympische Disziplin.


Ringen Heute

 

Gerungen wird auf einer weich gepolsterten Matte 9X 9 Meter 10X10 Meter oder
12X12 Meter mit einer zentralen Kampffläche von 7 Meter Durchmesser. Umschlossen wird diese von einer 1 Meter breiten, rot markierten Passivitätszone, die nicht zur Abwehr, wohl aber im Zuge der Kampfaktionen betreten werden darf. Darauf folgt eine 1,5 Meter breite blaue Umrandung, die so genannte Schutzzone. Die Zentrale Fläche ist 1 Meter im Durchmesser und durch einen 10 Zentimeter breiten Ring Gekennzeichnet, und dort wird der Anpfiff oder die Angeordnete Bodenlage (Paterre) durchgeführt.

Disziplin
Es gibt die so genannte klassische oder auch griechisch – römische Stilart (Greco) sowie das Ringen im freien Stil (LL bei Männern und bei den Frauen LF). Beim griechisch – römischen Ringen erfolgen Angriffe vom Kopf bis zur Gürtellinie, beim Freistil auf den ganzen Körper, d.h. auch der Einsatz der Beine ist erlaubt. Während in den Anfängen des Frauenringens auch die griechisch – römische Stilart zum Einsatz kam, werden seit der ersten Weltmeisterschaft von 1987 die Kämpfe von Frauen und Mädchen ausschließlich im freien Stil ausgeführt.
Regelverstöße sind alle Aktionen, die Verletzungen verursachen können. Für unsportliche Handlungen gibt es Verwarnungen. Nach drei Verwarnungen wegen Griffentzug oder Mattenflucht erfolgt die Disqualifikation.

Kampfzeit


Die reguläre Kampfzeit beträgt bei Männern und Frauen 2 X 3 Minuten mit 30 Sekunden Pause. Die Verlängerung hat maximal eine Länge von 3 Minuten. In der Jugend werden kürzere Kampfzeiten von 2 Minuten ohne Pause in kleinen Schritten ansteigend zu den Altersstufen gemessen.